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Lehrveranstaltungen SS 2000
Prof. Bazon Brock
Summa aesthetica - summa summarum
Was aber bleibet, stiften die Richter
Hauptstudium Ästhetik / Kommunikationsdesign
Mit Thomas von Aquins summa theologica entstand ein Typus literarischer Darstellung, in dem historisches und systematisches Arbeiten zusammengeführt wird, vermittelt durch Persönlichkeit und Rolle des Autors. Der Autor gewinnt Auktoritas durch seine Fähigkeit, Synthesen zu bilden (zwischen Glauben und Wissen, Theorie und Praxis, zwischen Legitimierung durch methodisches Verfahren und persönlicher Verantwortung). Heute wird generell solche Auktoritas des Autors bestritten, obwohl längst jeder selbständige Kaufmann von Gesetzes wegen zur Summenbildung als Inventur, Jahreshauptabschluß oder Steuererklärung verpflichtet ist und sie zu verantworten hat. Eine Summa entsteht nicht im Gefolge des Appells Alles auf den Tisch; das Internet bietet keine Summa unseres Wissens und seiner Vermittlung in der Kommunikation. Eine Summa entsteht auch nicht aus der Aneinanderreihung der gehaltvollsten oder wirksamsten Theoreme oder durch Reduktion von Aussagen auf ihren Kern, der in eine Nußschale paßt. Wie also nimmt man dann alles in allem, also beispielhaft? Das eben soll in der Vorlesung demonstriert werden aus Anlaß des Abschieds von Bazon Brock aus seiner 36-jährigen Tätigkeit als Hochschullehrer.
Montags 14-16 Uhr
Veranstaltungsort: Haspel, Raum 4
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Prof. Bazon Brock
Seminar zur Vorlesung Summa aesthetica - summa summarum
Grundstudium Ästhetik / Kommunikationsdesign
Untersucht werden beispielhaft Synthesenbildungen je eines Mikro- und Makrophysikers, Biologen, Soziologen, Ökonomen, Ökologen und Juristen, eines Ausstellungskurators und Kulturpolitikers.
Montags 16-18 Uhr
Veranstaltungsort: Haspel, Raum 4
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Workshop Grund- und Hauptstudium:
Prof. Dr. Heiner Mühlmann
Rhetorik-Seminar II
Rhetorik in nichtsprachlichen Medien - Rhetorikworkshop
Grund- und Hauptstudium Ästhetik / Gestaltungstheorie
Rhetorik ist die Kunst, mit sprachlichen Mitteln Gefühle auszudrücken.
"Wer seine Gefühle ausdrücken kann, hat keine Schwierigkeiten im Leben." (Swetlana Solotarowa, Englischlehrerin in Moskau).
Rhetioriklehrbücher, die bereits während der griechischen und römischen Antike verfaßt wurden, stellen die älteste linguistische Theorie und die erste Kommunikationstheorie dar. Sie haben einen prägenden und vorherrschenden Einfluß während der Entwicklung der Westlichen Kultur. Sie kontrollieren spätere Literatur - und Poetiktheorien ebenso wie Malerei-, Archtektur- und Musiktheorien.
Die Rhetorik der Römer bietet uns die Möglichkeit, die kulturelle Evolution mit Hilfe des Denkens der Vergangenheit zu analysieren, und ist als "rhétorique générale" zu einer Unterdisziplin der modernen Linguistik geworden. Sie befähigt uns, die Probleme unserer rhetorischen Selbstverwirklichung besser zu verstehen, und bietet uns ein Trainingsprogramm, mit dessen Hilfe wir es lernen, unsere besten Gedanken auf unsere Mitmenschen zu übertragen.
Dienstags 16-18 Uhr
Veranstaltungsort: Haspel, Raum 4
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Fabian Steinhauer
Einführung in die Theorie des Kulturkampfes
Grundstudium Gestaltungstheorie/Ästhetik
Das, was eine Kultur ist, und was sie nicht ist, ist der Form nach identisch. So entsprach die Uniform der Nationalen Volksarmee gestalterisch der Wehrmachtsuniform, obschon sich die DDR als Gegenentwurf zu ihrem Vorgängerstaat verstand. Die Rhetorik der Tugendlichen ist von der Rhetorik der Terroristen nur insoweit zu unterscheiden, soweit man selbst Teil dieser Unterscheidung wird und also im Kampf gegen Ungeheuer selbst zum Ungeheuer wird (Nietzsche).
Versucht man eine Kultur jenseits dieser Formen der Teilnahme zu beschreiben, so ist man auf Regeln angewiesen, die ihren Anwendungsfällen nicht entsprechen. Die Regel erschöpft sich nicht in einem Anwendungsfall und der Anwendungsfall ist bloß ein Beispiel der Regel: vermittelt werden beide Pole des Urteils nicht über eine Identitätsbeziehung, sondern über die Bedingungen ästhetischer Differenz(Bazon Brock.) Die Verteidiger der Kultur werden wegen zweideutiger Formulierungen angegriffen und sie wehren sich entweder mit der Entschuldigung, es nicht so gemeint zu haben, wie es verstanden wurde, oder sie gehen in die Offensive und werfen ihren Gegnern eine Anleitung zum Falschlesen (Sloterdijk vs. Habermas) vor.
Was bedeutet in diesem Zusammenhang das Konzept der ästhetischen Differenz? Kann man Argumente gegen ihre Verwender verwenden und zugleich dem Vorwurf naiven Wörtlichnehmens entgehen? Anknüpfend an die bisherigen Ergebnisse und Veranstaltungen der von Bazon Brock und Heiner Mühlmann geleiteten Forschungsgruppe Kultur und Strategie-Kunst und Krieg nimmt diese Veranstaltung die argumentationstheoretische Grundlage des Kulturkampfes ins Blickfeld. Die Aufmerksamkeit gilt dabei der Analyse von Argumentationsformen und der Eristik (Der Kunst, unter allem Umständen Recht zu behalten.) Neben theoretischer Literatur werden praktische Fälle aus Feuilleton, Kunstbetrieb und Rechtspraxis behandelt.
Themen:
- Wirken Argumente?- Grundprobleme der Argumentation
- Ohne Wegdenken keine Bedeutungstaufe: Zum Zuschreibungsmodell der Conditio sine qua non in den Kulturwissenschaften - Einübung in die Kunst der Gegenprobe,
- Vom Chalke-Christus zu Mapplethorpes extremer Zentralperspektive:
Historische Modelle des Bilderstreits.
- Die Entwicklung des Kulturbegriffes im 19. Jahrhundert.
- Polarisierung der kulturellen Tatbestandsmerkmale.
- Motive und Merkmale eines Kulturstaates.
- Autonomie:vs. Souveränität: Einübung ins freie Künstlertum.
Literatur- und Filmliste (Auswahl):
- Robert Alexy, Theorie der juristischen Argumentation, Frankfurt a.M. 1996
- Bazon Brock/ Werner Nekes, Peggy und die anderen (Film)
- Georg Bollenbeck, Avantgarde-Tradition-Reaktione,
Deutsche Kontroversen um die kulturelle Moderne 1880-1945, Frankfurt a.M. 1999
- Ulrich Klug, Juristische Logik, Wien-Heidelberg New York 1997
- Karl Möseneder(Hrsg.), Streit um Bilder, Berlin 1997
- Heiner Mühlmann, Die Natur der Kulturen, Wien- Heidelberg -New York 1996
- Achim Preiß (Hrsg.) Dokumentation zur Weimarer Austellung Aufstieg und Fall der Moderne, Weimar 2000
- Arthur Schopenhauer, Die Kunst, recht zu behalten, vgl.www.gutenberg.aol.de/schopenh/eristik/eristik.htm
- Stephen Toulmin, Der Gebrauch von Argumenten, Kronberg/Ts. 1975
- Urteil des BVerfG vom 16.5.1995 (Kruzifixurteil), http://efb.ch/Texte/adkruz.htm
- BVerfGE 12,205 ff (1. Fernsehurteil) www.uni-wuerzburg.de/dfr/bv012205.html.
Mittwochs 16-18 Uhr
Veranstaltungsort: Haspel, Raum 4
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Prof. Dr. Lars Karbe
Die Kunst des Scheiterns II
Hauptstudium Kunstinformation, Kunstkritik
4 SWS, Blockveranstaltung
Termine und Ort werden durch Aushang bekanntgegeben.
Wie verhält es sich mit den Beziehungen der Kunstkritik zur Kunstgeschichte, zur Kunstsoziologie, Kunstpsychologie, Kunstpädagogik, Ästhetik und zur Kommunikation?
Diese Blockveranstaltung konfrontiert mit Aufgaben und Fragestellungen einer analytischen Empirie. Inwieweit sind Kunstinformation und Kunstkritik abhängig von Wahrnehmungsfähigkeit und Informationsverarbeitung. Welche Rolle spielt der Umgang mit Unterscheidungskriterien, Bedeutungen, Proportionen und der Umgang mit Gestaltqualität, Ambivalenz, Anästhetik, Rätseln. Welche Abhängigkeit besteht zum heuristischem Denken, handlungsleitendem Erkenntnisgewinn, Sinn und Sinnlichkeit, Gedächtnisinhalten, Bewußtseinsprozessen, Konflikt zwischen Teil und Ganzem; abhängig von kreativer Intelligenz: Wissendesign, Spontanität, Improvisation, Authentizität, Stil, Professionalität; abhängig von kommunikativem Verhalten: Sprache, Kommunikationdesign, Resonanz, Wertmaßstäben, Selbstführung, Leistungsanspruch, Katharsisdramturgie?
Im Mittelpunkt dieser Lehrveranstaltungstehen exemplarische Varianten der Kunst des Scheiterns, seitens der Kunst?- seitens der Kritik? Strawinskys Le sacre du Printemps, Paris 1913, Le Corbusiers Chandigarh in Indien 1950 (der goldene Schnitt des Städtebaus?), in den 90´er Jahren die in der Sixtina des Vatikan ausgeführten Restaurationsarbeiten und ein spektakulärer, zwischen Kunsthistorikern und anderen Experten ausgebrochener Streit, Kunst wie Kritik konfrontieren mit der Wahrnehmung der Grenzen, aber auch der Grenzen der Wahnehmung.
Weitere Werke, Gestalt-Modelle, Experimente :Giorgio Vasari, Jacobo Pontormo, Michelangelo Caravaggio, Hector Berlioz, Samuel Beckett (Warten auf Godot), Curzio Malaparte ("una casa come me"), Frederico Fellini (Orchesterprobe), L.Bunuel (Würgeengel), Maria Callas, Christo Javachev, J. Claude.
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