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Module:
Das Gehirn und seine
Makrostrukturen
Das Gehirn
und seine Gedächtnissysteme
Das Gehirn und seine Mikrostrukturen
Neurophysiologische, neuropathologische und computer-tomographische Untersuchungen belegen, dass die kognitiven Fähigkeiten des Menschen gesteuert werden von einem Zusammenspiel bestimmter Neuronengruppen in der verschiedenen Regionen des Gehirns. Wollen wir verstehen wie neuronale Netzwerke arbeiten, so empfiehlt es sich, dass wir uns zuerst die physiologisch beschreibbaren Strukturen der Neurone und die elektro-chemischen Prozesse ansehen, die für ihre Funktionsweise typisch sind. Das allein aber reicht nicht aus, um zu verstehen, wie aus den elektrochemischen Signalen ein kategorial geordnetes Wissen wird, das den Menschen zu den vielen kognitiven Operationen befähigt, die ihn als intelligentes Wesen auszeichnen. Die Frage ist also, woher die Kategorien kommen, die aus einer ungeordneten Menge sensorischer Daten ein kognitiv geordnetes Wissen machen.
Sicher ist, dass einige der Verhaltensweisen von Menschen auf Instinkten, also auf angeboren verfügbaren Reaktionspotentialen beruhen. Sicher ist aber auch, dass die meisten seiner Verhaltensweisen nicht rein instinktiv sind sondern aus Lernprozessen hervorgehen, die Erfahrungen in ein affektiv bewertetes und kognitiv kontrolliertes Wissen umsetzen. Neuronal gesehen schließt übrigens das Wissen immer ein Können ein, weil das Können auf in Neuronengruppen gespeicherten Wissenselementen beruht, die aktiviert und z.B. in motorische Aktionen umgesetzt werden können. Weil es hier aber um das Speichern, Ordnen und Abrufen von Daten geht, muss das Gehirn und sein neuronales Netzwerk als eine Art Computer angesehen werden. Und weil das neuronale Netz nicht von einer erkennbaren Person 'programmiert' wird, muss es ein sich selbst organisierendes System sein. Das führt zurück zu der Frage, woher die Kategorien für das Ordnen der eingehenden Daten kommen.
Die älteren behavioristischen Lerntheorien beantworten diese Frage damit, dass alles Lernen entweder auf trial and error oder auf der Imitation von Vorbildern beruht. In ihrer radikalen, auf Tierexperimenten basierenden Form schließen behavioristische Theorien kognitive, also auf Einsicht in Problemlagen beruhende Lernprozesse aus und erklären alles menschliche Verhalten als das Resultat von Gewohnheitsbildung (habit formation by stimulus reinforcement). Auch der Spracherwerb ist demnach nichts anderes als das Nachahmen der sprachlichen Verhaltensweisen, die Kinder an Erwachsenen beobachten. Sie können damit aber nicht erklären, wie es kommt, dass Kinder grammatisch richtige Sätze produzieren können, die sie noch nie gehört haben.
Den Behavioristen gegenüber insistiert eine rationalistisch argumentierende Fraktion von Forschern darauf, dass die Kognition und ein angeborenes Spracherwerbsmodul die einzig mögliche Grundlage für den Spracherwerb seien, und dass Sprachen im übrigen nicht nach denselben Regeln gelernt würden, die für alle anderen Formen des menschlichen Lernens gelten. Postuliert wird ein angeboren verfügbares Grammatikwissen, Universal Grammar genannt. Begründet wird diese Hypothese mit dem Hinweis auf das so genannte logical problem of language acquisition. Das wird darin gesehen, dass Kinder in der Lage sind, nie gehörte aber grammatisch richtige Sätze zu bilden, obwohl die Rede der Erwachsenen oft viele grammatisch nicht richtige Äußerungen enthält, sie den Kindern also kein Vorbild dafür sein kann, wie grammatisch richtige Strukturen gebildet werden. Das klingt plausibel und entzieht simplistischen behavioristischen Sprachlerntheorien die Grundlage. Fragwürdig ist aber, ob das allein als 'Beweis' für ein angeboren verfügbares Grammatikwissen ausreicht.
Die kontroversen Debatten darum, ob nun die Imitation sozialer und sprachlicher Vorbilder oder die Kognition und eine Universal Grammar die Sprachlernprozesse erklären, ist als nature or nurture Debatte bekannt. Gegen die Extrempositionen, die in dieser Debatte vertreten werden, wenden immer mehr Forscher ein, dass sich Imitation und Kognition als zwei Grundlagen des Lernens keineswegs gegenseitig ausschließen. Sie sind überzeugt, dass Sprachen nicht nach ganz anderen Regeln gelernt werden als jenen, die für jedes 'andere' Lernen gelten. Sie halten das logical problem of language acquisition für konstruiert, weil es verkennt, dass Menschen in den sozialen Kontexten, in denen Sprachen erlernt werden, viele implizite Hinweise auf die Korrekturbedürftigkeit von ihnen fälschlicher Weise für gültig erachtete grammatische Kategorien erhalten. Sie verweisen dazu auf empirische Spracherwerbsstudien die zeigen, wie Kinder aus dem wahrnehmbaren kommunikativen Verhalten ihrer Mitmenschen und damit aus kognitiv analysierbaren Verhaltensweisen die Kategorien herausfiltern, die sie zum Erkennen grammatischer Regeln und zum kreativen Gebrauch der Sprache brauchen.
Will man nun über die bisher von kühnen Spekulationen und glaubensartigen Debatten geprägten Kontroversen über die wahre Natur von Sprachlernprozessen hinaus kommen, so ist das nicht möglich ohne Berücksichtigung der neurophysiologisch und komputational zu erklärenden Grundlagen der neuronalen Prozesse. Beachtet werden muss, dass kognitive Strukturen sie erzeugende Prozesse voraussetzen, dass aber Prozesse ihrerseits eine sie auslösende Motivation voraussetzen, die wiederum, will sie nicht in blinden Aktionismus münden, auf ein gezielte Handlungen möglich machendes Wissen verlangt. Offensichtlich handelt es sich hier also, etwa im Sinne des hermeneutischen Zirkels, um ein Geflecht von sich gegenseitig prägenden Faktoren. Ohne Motivation, die Energien im neuronalen Netz aktiviert, finden keine Prozesse statt. Kein Mensch würde zum Beispiel eine Sprache lernen, wenn er keinen Sinn (Vorteil) darin sähe, sie zu gebrauchen. Das ist eine zwar scheinbar triviale, fremdsprachendidaktisch gesehen aber folgenreiche Feststellung, denn sie führt zu der wichtigen Frage, wie man Lernmotivation erzeugen und erhalten kann.
Ebenfalls zu beachten ist die aus der Verstehensforschung bekannte Tatsache, dass die Beschaffenheit eines Vorwissens (top-down) prägenden Einfluss auf alle späteren Verstehens- und Lernprozesse nimmt. Das muss mit der bekannten Tatsache korreliert werden, dass sich sowohl Erstspracherwerbsprozesse als auch Zweitsprachenerwerbsprozesse in grammatischen Kernbereichen in einander universal ähnlichen Entwicklungsstufen vollziehen. Eine theoretisch konsistente Erklärung für solche Lernprogressionen muss letztendlich mit den für alle neuronale Prozesse geltenden komputationalen Verarbeitungsprozeduren kompatibel sein. Dazu gehört auch, dass die bekannten Unterschiede zwischen dem Erstspracherwerb und dem späteren Erlernen einer zweiten Sprache sowie die ebenfalls bekannten Unterschiede zwischen individuellen Lernern einer zweiten Sprache nach einem Rahmenmodell verlangen, das alle Aspekte des Spracherwerbs konsistent erklären kann. Die Voraussetzung dafür liegen vor in Gestalt des competition model und der Processability Theory.
Die nachfolgenden Module gehen auf einige der hier angesprochenen Grundfragen etwas ausführlicher ein.
Merksätze
Das neuronale Netz beruht in seiner zentral das Verhalten steuernden Funktion auf dem Austausch elektrochemischer Signale. Die Frage ist aber, woher die Kategorien kommen, die aus einem ungeordneten Haufen von Signalen ein geordnetes Wissen machen.
Sicher ist, dass einige der Verhaltensweisen von Menschen auf Instinkten, also auf angeboren verfügbaren Reaktionspotentialen beruhen. Sicher ist aber auch, dass die meisten seiner Verhaltensweisen nicht rein instinktiv sind sondern aus Lernprozessen hervorgehen, die Erfahrungen in ein affektiv bewertetes und kognitiv kontrolliertes Wissen umsetzen.
Das neuronale Netz ist ein sich selbst organisierendes System, denn es gibt niemanden, der es von außen her programmiert.
Verschiedene Lerntheorien bieten unterschiedliche Erklärungen für die Herkunft der Kategorien und Reglen an, die zum Beispiel für die Sprache und den Spracherwerb wichtig sind.
Die älteren behavioristischen Lerntheorien postulieren, dass alles Lernen entweder auf trial and error oder auf der Imitation von Vorbildern beruht. Sie können damit aber nicht erklären, wie es kommt, dass Kinder grammatisch richtige Sätze produzieren können, die sie noch nie gehört haben.
Den Behavioristen gegenüber insistiert eine rationalistisch argumentierende Fraktion von Forschern darauf, dass die Kognition und ein angeborenes Spracherwerbsmodul die einzig mögliche Grundlage für den Spracherwerb seien. Postuliert wird ein angeboren verfügbares Grammatikwissen, Universal Grammar genannt. Begründet wird diese Hypothese mit dem Hinweis auf
Die Debatten darum, ob nun Imitation oder Kognition und eine Universal Grammar die Sprachlernprozesse erklären, ist als nature or nurture Debatte bekannt. Gegen die Extrempositionen, die in dieser Debatte vertreten werden, wenden immer mehr Forscher ein, dass sich Imitation und Kognition keineswegs gegenseitig ausschließen. Sie verweisen auf empirische Spracherwerbsstudien die zeigen, dass Kinder aus dem wahrnehmbaren kognitiv analysierbaren Verhalten ihrer Mitmenschen die Kategorien herausfiltern, die sie zum Erkennen grammatischer Regeln und zum kreativen Gebrauch der Sprache brauchen.
Beachtet werden muss, dass kognitive Strukturen sie erzeugende Prozesse voraussetzen, dass aber Prozesse ihrerseits eine sie auslösende Motivation voraussetzen. Wir haben es hier also im Sinne eines hermeneutischen Zirkels mit einem Geflecht von sich gegenseitig bedingenden Faktoren zu tun.
Die Tatsache, dass Kinder grammatisch richtige Sätze produzieren können, obwohl die Rede ihrer Mitmenschen in der Regel voller grammatischer Fehler ist, wird the logical problem of language acquisition genannt.