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Arbeitskreise als Möglichkeit wissenschaftlichen Arbeitens in Eigenregie

Arbeitskreise als Arbeitsform von Seniorstudierenden werden seit einige Jahren auf den jährlichen Treffen der KoordinatorInnen der SeniorInnenstudien an deutschen Hochschulen diskutiert und an manchen Orten auch praktiziert. In der Universität Bielefeld wurden sie zunehmend üblich und waren an der Universität Ulm sind die Gruppen "Forschendes Lernen" die zentrale Lehr- und Arbeitsform für die Älteren. Das Funktionieren der Arbeitskreise ist aber an das jeweilige Konzept des Seniorenstudiums, seine Rahmenbedingungen und/oder an vorhandene Betreuungskapazitäten geknüpft. Die Finanzierung letzterer trifft auf Engpässe. Die Kompetenz zur themenbezogenen wissenschaftlichen Zusammenarbeit in einer Gruppe kann nicht selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Das Wuppertaler SeniorInnenstudium war von Anfang an durch seine enge Verknüpfung mit dem sozialwissenschaftlichen Studium forschungsorientiert. In diesem Zusammenhang gab es außerhalb des regulären Lehrangebots verschiedene Forschungsgruppen "Erleben und Verarbeiten von Kriegserfahrungen unterschiedlicher Alterskohorten von Frauen", "Berühmte Frauen und Männer in der Region" und Einzelforscherinnen. Lehrveranstaltungen zur qualitativen Forschungswerkstatt mit Schwerpunkt qualitativer Interviews hatten die methodische Grundlage gelegt (Sagebiel 1996). Die Initiativen funktionierten auf die Dauer nur so lange wie sie begleitend professionell unterstützt wurden.
Der SeniorInnentag 2000 "Nach dem Zertifikat? Wissenschaft in Eigenregie" nahm diese Tradition in gewisser Weise wieder auf, allerdings ohne den Anspruch empirischer Forschung, und zielte darauf hin, neben thematischen Anregungen grundlegende Kenntnisse zur Arbeit in Gruppen zu vermitteln. Eine Gruppe von sechs gleich interessierten Seniorstudentinnen, der spätere Arbeitskreis "Frauen im Mittelalter", nutzte das Treffen zum Auftakt einer selbst gesteuerten zweijährigen Zusammenarbeit. Dieser Arbeitskreis blieb zunächst der einzige, obgleich in der Evaluationstudie zum SeniorInnenstudium 25 % der Befragten Arbeitskreise als ergänzende Arbeitsform gewünscht hatten (Arndt/Bopp-Schmehl/Sagebiel 1999).
Mehrere andere Arbeitsgruppen, für die zunächst Interesse geäußert wurde, kamen nicht zustande oder waren bald wieder mangels gemeinsamer Ziele, Anzahl der Interessierten und Verbindlichkeiten aufgelöst oder verliefen im Sande. Obgleich immer wieder Interessen an themenbezogener Arbeit laut wurden, wollte niemand so recht kontinuierliche Verantwortung übernehmen.
Mit dem vom Verein zur Förderung des Studiums Älterer (VFSA) wurde deshalb mit Unterstützung des wissenschaftlichen Sekretariats für das Seniorenstudium ein workshop zur Gruppenarbeit durchgeführt mit dem Ziel, methodische Grundlagen der Gruppenarbeit zu vertiefen. Rückmeldungen ließen vermuten, dass in der mangelnden Gruppenkompetenz ein zentraler Hindernisgrund für die geringe Arbeitsgruppenbildung bzw. deren Arbeitsfähigkeit liegen würde. Eine weiterer Arbeitskreis mit 8 Frauen zum Thema "Frauen im SeniorInnenstudium" wurde gegründet.
Irene Meurer berichtet über den zweijährigen Arbeitsprozess des Arbeitskreises "Frauen im Mittelalter", während die Mitglieder die Kurzfassungen ihrer eigenen Forschungen vorstellen. Die Ergebnisse ihrer Forschungen sollen ins Internet mit einem link zum SeniorInnenstudium in Wuppertal gestellt werden.
Über den Arbeitskreis "Frauen um SeniorInnenstudium", der seit einem Jahr arbeitet, berichten beispielhaft Helga Köhler und Doris Ruff, und zwar über biographische und soziologische Aspekte.
Die Beispiele zeigen, dass es möglich, interessant und ergebnisreich sein kann, in dieser Form von Arbeitskreises unter Älteren zu forschen, zu studieren und sich auszutauschen. Sie kann eine Antwort auf die Frage sein "Was tun nach dem Zertifkat?"


1)Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Weiterbildung Älterer im Arbeitskreis Universitäre Erwachsenenbildung (BAGWiWA im AUE) plant als Thema der Arbeitstagung 2003 in Bremen "Arbeitskreise im Seniorenstudium".
2) Ursula Soter hat sich aus diesem Anlass mit dem Thema "Verantwortung" auf Seite 15 dieser Veröffentlichung beschäftigt.

Literatur:
Arndt Sabine/ Bopp- Schmehl, Annemarie/Sagebiel Felizitas: Der Beitrag des Seniorenstudiums zur Neubestimmung ehrenamtlicher Tätigkeiten von älteren Frauen. Abschlußbericht eines Forschungsprojekts für das Ministerium für Frauen, Familie, Jugend und Gesundheit. Wuppertal 1999.
Sagebiel, Felizitas: Forschung lernen im SeniorInnenstudium - Lehrforschungsprojekt. In: Stadelhofer, Carmen (Hrsg.): Kompetenzen und Produktivität im 3. Lebensalter. Kleine Verlag. Bielefeld 1996.