Sue Lees

Sitte, Anstand und die soziale Kontrolle von Mädchen: Eine englische Studie



Die Autorin weist nach, daß bei Frauen, im Unterschied zu Männern, Sexualität eine Schlüsselkategorie für die ihnen zugewiesene Identität und ihre Beurteilung im Alltag sowie bei Behörden ist. Die Grundlage ihres "guten Rufes" bildet ihr vermeintliches Sexualverhalten, während der "gute Ruf" eines Mannes auf seine Arbeitsleistungen bezogen wird. Eine mögliche Promiskuität bleibt hierauf ohne Folgen. Der Prozeß zur Herausbildung einer restringierten Identität bei Frauen setzt früh ein; analysiert werden Aussagen von 15- bis 16jährigen Mädchen. Der Zweck des willkürlichen Einsatzes von abträglichen verbalen Mitteln gegenüber Mädchen ist es, sie gegenüber männlichen Sexualwünschen gefügig zu machen, ihre eigene Sexualität lange zu leugnen und ihr Ausleben nur in der legalen Form der für Männer vorteilhaften Einrichtung der Ehe zuzulassen.

Summary
The author suggests that a woman`s sexuality is central to the way she is judged in everyday life as well as by the welfare and law enforcement agencies. The women`s "good reputation" is predominantly determined by their alleged sexual behaviour, whereas the men`s good reputation refers to their personality, exploits and their standing in society. The process of acquiring a restricted identy starts early in the life of the girls; the author analyses experiences of 15-16 old girls. The function of the girls‘ verbal abuse ("slag") is to force them to submit voluntarily to the existing structures of patriarchal sex-gender relationships. The girls have first to be a passive and compliant recipient of the boys‘ sexual wishes, deny the own sexuality and channel it eventually into the bonds of a "legitimate" but infavorable marriage.